In Irland wird mit Marte Meo seit 1993 im Pflegekinderwesen gearbeitet – sowohl in Familien, in denen man sich um die Kinder sorgt aber denkt und hofft, dass die Eltern noch genug elterliche Fähigkeiten entwickeln können, damit die Kinder bei ihren Familien verbleiben können als auch in Pflege- & Adoptivfamilien selbst. In Irland ist Marte Meo mittlerweile ein staatliches Konzept und es gibt verschiedene Trainingsprogramme hierzu.

  • Bei der Vorbereitungsphase zur Pflegeeltern-Werdung
  • Begleitend zur Platzierung und den Anfangszeiten
  • Als Unterstützung von Kurz- und Langzeitpflegefamilien
  • Und als Unterstützung von Pflege- & Adoptivelterngruppen

Persönlicher Hintergrund vorweg: Ich – Sandra Haischer – war selbst Pflegemutter und habe mittlerweile unser Kind adoptieren dürfen!

 

 

Es gibt im Grunde zwei große Themenkomplexe, die quasi den Unterschied zu einer „normalen“ Familie ausmachen:

  1. Der Aufbau einer zweiten Bindung
    1. Die Kinder sind vorsichtig im Aufbau der emotionalen Beziehung – also müssen wir vorsichtig/bedacht sein „wenn Du Liebe gibst, schaue immer wieder, wie es ankommt“.
    2. Der Einbezug von Videomaterial macht es möglich, die Veränderungen in den Interaktionen zwischen einem Kind und seinen neuen Eltern zu erkennen.
    3. Oftmals sind es Mikroausdrücke, die uns sagen, wo sich das Kind angesprochen fühlt, wann es den anderen sucht und mit ihm/ihr Kontakt aufnehmen möchte.Diese gelingenden Momente zu sehen und zu verstärken ist ein Kernelement bei der Bindungsarbeit.
    4. Selbst wenn sie von Geburt an bei ihren sozialen Eltern leben – es gibt die Elemente des „Nicht-Kennens“ – zumindest gefühlt. Auch leibliche Eltern erleben immer wieder Überraschungen bei ihren Kindern und wundern sich woher dieses Verhalten kommt. Aber es wird als natürlicher angesehen.

 

  1. Normale elterliche Fähigkeiten reichen nicht aus
    1. Bei den Kindern ist der Entwicklungsprozess ins Stocken geraten, weil sie entweder nicht gut genug unterstützt wurden oder weil sie mit etwas anderem beschäftigt waren (Verlust der Ursprungsfamilie). Die Entwicklung muss wieder hergestellt werden.
    2. Signale des Kindes sind oftmals zu klein oder ungenau, um sie im Alltag wahr zu nehmen.
    3. Die Kinder sind oft nicht in der Lage, die anderen Menschen richtig wahr zu nehmen. Entweder haben sie gelernt, dass es besser für sie ist es nicht zu tun oder es kann auch sein, dass sie so stark von uns wahr genommen wurden, dass wir uns dabei so zurück nahmen, dass es ihnen nicht möglich war den anderen bewusst werden zu lassen.
    4. Wir müssen aufpassen nicht zu kompensieren (also nicht immer mehr und mehr geben, weil nichts kommt) sondern wir müssen aktivieren.

All diese Dinge lassen sich aber wirklich immer nur individuell bestimmen, es gibt keine generelle Aussage darüber, was Pflege- & Adoptiveltern tun müssen, damit es möglichst reibungslos funktioniert.

Marte Meo kann aber all dies unterstützen und das Alltagsleben einfacher und schöner gestalten und Bindungen ermöglichen und verfestigen. Marte Meo bietet Eltern ein praktisches Werkzeug, das sie in die Lage versetzt, auf eine Weise Anschluss an ihre Kinder zu finden, die deren Entwicklungsbedürfnissen entspricht. Das wichtigste Ziel ist dabei die Unterstützung in der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder in der Alltagskommunikation um auf diese Weise auch die zweite Bindung zu erleichtern. Für alle.